Restaurierung der Gedenkplatte zur Friedensfeier 1871 in Gersweiler erfolgreich abgeschlossen

Die restaurierte Gedenkplatte zur Friedensfeier 1871 in Gersweiler

Der Heimatkundliche Verein Gersweiler-Ottenhausen hatte im September 2020 das Projekt gestartet, die zwischen dem Alten Rathaus und der Evangelischen Kirche in Gersweiler liegende Steinplatte zur Erinnerung an den Deutsch-Französischen Krieg 1870/1871 zu restaurieren.

Gersweiler lag im Juli und August 1870 aufgrund seiner Grenznähe im Erkundungs- und Aufmarschgebiet preußischer und französischer Truppen. Die Vorhutgefechte um Saarbrücken und die Schlacht bei Spicheren am 06.08.1870 hinterließen auch in unserem Ort erkennbare Spuren. Auf Gersweiler Bann fanden zwar keine größeren Kampfhandlungen statt, es wurden aber Verwundete stationär und ambulant versorgt. Vier tote Soldaten wurden auf Gersweiler Bann beigesetzt. Der Heimatforscher Carl Büch schilderte in seiner 1968 in den Saarbrücker Heften veröffentlichten „Gersweiler Kriegschronik 1870“ eindrucksvoll das Schicksal und Leid der Soldaten, aber auch die Betroffenheit und Hilfsbereitschaft der Bevölkerung vor Ort.

Nach den militärischen Auseinandersetzungen und der Gründung des Deutschen Kaiserreichs wurden nicht nur in Berlin, sondern auch in der Saarregion Sieges- und Friedensfeiern organisiert. So auch in Gersweiler, wo eine kleine, aber massive Sandsteinplatte an der Mauer zwischen der evangelischen Kirche und dem ehemaligen Rathaus befestigt wurde. Die 50 x 50 Zentimeter große Platte ist mit einem breiten Randprofil versehen und trägt die eingemeißelte Inschrift „Andenken an die Friedensfeier 1871“. Walter Neutzling hatte in seinem 1995 erschienenen Band „125 Jahre Spichern – Betrachtungen aus Gersweiler Sicht“ darauf hingewiesen, dass entlang der Mauer zunächst eine Friedenseiche und später auch eine Linde und eine Birke gepflanzt wurden. Diese sind längst aus dem Ortsbild verschwunden.

In Gersweiler fanden während des Kaiserreichs in mehr oder weniger regelmäßigen Abständen Veranstaltungen zur Erinnerung an den Deutsch-Französischen Krieg statt. Eine aufschlussreiche Beschreibung von Elementar-Lehrer Jacob Kunz findet sich in der Chronik der Evangelischen Volksschule Gersweiler über die Feierlichkeiten im Jahr 1895: „Darum wird auch hier der 6.8. als Gedenktag und besonders patriotischer Festtag begangen. Am 8.8. fanden große Feiern in Saarbrücken und St. Johann statt, mit den gesamten städtischen Schulen, zu der auch ich mit meiner Schule den Festplatz besuchte, um hier an Ort und Stelle die Kinder im Geiste des vor 25 Jahren hier Vollbrachten noch einmal miterleben zu lassen. Zu einer ganz besonders glänzenden Jubelfeier unserer Gemeinde gestaltete sich die Feier des Sedantages am 1. und 2.9.1895. Die ganze Bürgermeisterei, insgesamt 14 Schulen und sämtliche Vereine nahmen daran teil. Nach den Anordnungen eines Komitees begann der Festzug unter Vorantritt einer Kapelle in Klarenthal, bewegte sich durch Krughütte nach Ottenhausen und von hier nach Gersweiler nach dem im Gemeindewald „Distrikt Sitters“ gelegenen Festplatz.“

Anfang der 1960er Jahre wurde die Mauer zwischen Kirche und Rathaus von der Gemeinde Gersweiler abgerissen und die Gedenkplatte unfachmännisch auf dem Mutterboden abgelegt. Dort verwitterte sie in den folgenden Jahrzehnten und geriet – neben einem Stromverteilerkasten liegend – in Vergessenheit. Die diesbezügliche Projektarbeit des Heimatkundlichen Vereins hat inzwischen Früchte getragen. Nach einer intensiven Quellen- und Literaturrecherche übernahm die in denkmalpflegerischen Fragen erfahrene Firma Naturstein Atelier Liebhold in Püttlingen den Ausbau, die Reinigung, die Nachbeschriftung, die Imprägnierung und den Wiedereinbau der Platte. Besonders hilfreich war in diesem Zusammenhang eine Federzeichnung Carl Büchs, der die mittlerweile kaum mehr erkennbare Inschrift detailgetreu festgehalten hatte.

Die fachgerechte Instandsetzung der Platte wurde von Frau Bezirksbürgermeisterin Isolde Ries, dem Bezirksrat West sowie dem Amt für Stadtgrün und Friedhöfe der Landeshauptstadt Saarbrücken wohlwollend begleitet. Ohne die großzügige Unterstützung der Saarland-Sporttoto GmbH wäre die Realisierung des Vorhabens nicht möglich gewesen. Hierfür sei allen Beteiligten ganz herzlich gedankt.

Die restaurierte Gedenkplatte kann seit Juli 2021 auf der kleinen Blumen- und Wiesenfläche zwischen Rathaus und Kirche besichtigt werden. Zusammen mit den beiden Soldatengräbern auf den alten Konfessionsfriedhöfen an der Lindenstraße und am Großen Knopf sowie dem Husaren-Denkmal an der Grenze zu Schoeneck steht sie heute für die Überwindung der militärischen Auseinandersetzungen der letzten 150 Jahre und die enge Deutsch-Französische Freundschaft im europäischen Kontext.

Die restaurierte Gedenkplatte zur Friedensfeier 1871 in Gersweiler
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